Same-Day-Delivery funktioniert nicht – warum wir trotzdem weitermachen

Als wir vor 2012 die ersten Ideen zum blitzbringer Lieferservice hatten, fanden wir schnell heraus, dass niemand so richtig an das Thema Same Day Delivery glaubte, vor allem, wenn die Lieferungen nicht durch professionelle Kurierservices durchgeführt werden. Hätten wir auf die vielen Stimmen gehört, die dies predigten, hätten wir gleich wieder einpacken können. Auch Anfang dieses Jahres hieß es noch in vielen Gesprächen: Same-Day-Delivery braucht niemand. Selbst wenn das Angebot da ist, nutzen die Kunden es nicht. Der hohe Preis solle die Kunden abschrecken. Dies bestätigt auch die Studie des Forschungsinstituts ibi Research der Universität Regensburg  aus dem Jahr 2014. Von mehr als 700 befragten Kunden, seien nur 27 Prozent bereit, für den Same-Day-Delivery-Service einen Aufpreis zu bezahlen. 53 Prozent würden die taggleiche Zustellung nur nutzen, wenn sie zusätzlich gar nichts koste.

Perspektivwechsel: Schaut man aus der anderen Richtung auf diese Zahl sieht es doch eigentlich gar nicht so schlecht aus: Mehr als ein Viertel ist bereit für Same-Day-Delivery einen Aufpreis zu zahlen. Ein Viertel vom Kuchen. Das muss logistisch erstmal bewältigt werden. Wer ist aktuell überhaupt in der Lage dies zu bewältigen? Viele Unternehmen sind das sicher nicht! Den Weg über etablierte Kurier-Netzwerke versuchen gleich drei Anbieter am Markt: Tiramizoo, Atalanda und Liefery. Während es um Tiramizoo und Atalanda wieder leiser geworden ist, wird Liefery immer lauter. Alle drei Anbieter geben vor, dem lokalen Handel helfen zu wollen und ihnen eine echte Chance gegenüber Amazon & Co. zu ermöglichen. Inwieweit sich beispielsweise Liefery bezüglich dieser Aussage treu ist, mag die kürzlich veröffentlichte Meldung, der Kooperation mit Rocket Internet-Geschwür Zalando, infrage stellen.

Schaut man die Zahlen an, scheint die Studie der Uni Regensburg vorerst recht zu behalten: Noch kann Same-Day-Delivery nicht als Massenmarkt bezeichnet werden. Und überhaupt, wer braucht das schon? In der Tat ist diese Frage bei vielen Produkten mit Sicherheit berechtigt. Aber wird das so bleiben? Eine andere Studie (Namen einfügen) zeigt, dass 57% der Milenials Same-Day-Delivery voraussetzen. D.h., dass selbst wenn der Markt im Moment noch nicht da ist, ist die Tendenz klar. Wir werden uns an immer schnellere Lieferzeiten gewöhnen und dies irgendwann sogar voraussetzen. Die technischen Möglichkeiten sind da und es wird neue geben. Beispielsweise die Lieferung durch selbstfahrende Autos oder Drohnen. Automatisierung pur. Dies könnte man noch weiterspinnen: Rohrpost 5.0 könnte sein, dass wir unser Haus oder unsere Wohnung an unterirdisch verlegte Rohrsysteme anschließen, in denen auf Magnetbahnen fahrende Schlitten unsere Bestellungen bis in unser Wohnzimmer transportieren. Klappe auf. Ware da. Das in Kombination mit der automatischen Bestellung, da unser Kühlschrank ja sowieso schon weiß, was wir essen und Amazon und Google schon wissen, was wir benötigen, bevor wir es selber wissen. Ein Traum? Wir könnten die gewonnene Zeit mit unseren Nachbarn verbringen. Aber halt! Die kennen wir ja gar nicht mehr, weil wie nie vor die Tür gehen müssen.

Glauben wir selbst überhaupt noch daran, dass wir Erfolg haben können?

Warum wir trotzdem daran festhalten den blitzbringer Lieferservice aufzubauen.

Wir sind davon überzeugt, dass der soziale Kontakt zwischen Menschen weiterhin im Vordergrund stehen wird. Möchten wir tatsächlich, dass unsere Pizza oder das Paket durch das Fenster reinfliegt? Oder möchten wir einem Menschen begegnen, mit dem wir sprechen können? Der uns bei der Übergabe glücklich macht und dadurch selbst ein Stückchen glücklicher wird. Uns vielleicht sogar etwas zu unserer Bestellung sagen kann? Mit der zunehmenden Beschleunigung unseres Lebens brauchen wir einen Gegenpol. Ein Stück Menschlichkeit, ein Stück soziale Interaktion. Dies kann und wird sich kein auf Profit getrimmtes Großunternehmen je leisten können oder wollen. Die Übergabe durch den Paketzusteller oder Pizzaboten ist immer von Stress gekennzeichnet. Der  Druck, der auf den Boten lastet, überträgt sich auf den Empfänger. Da ist es nur verständlich, dass aus dieser Sicht, der Weg zur Automatisierung der Paketzustellung logisch sei. Nur dort wird der Stress entzerrt. Doch es entsteht neuer Stress: Die Situation der Entpersonalisierung bzw. der Vereinsamung.

Wir arbeiten bei blitzbringer daran, dass schnelle Lieferzeiten mit dem nötigen Raum für Kommunikation kombiniert werden. Nur wer keinen Druck des Arbeitgebers im Nacken hat, kann sich seine Zeit selbstbestimmt einteilen. Deshalb setzen wir auf die „Kleinen“. Jeder kann bei blitzbringer als Lieferant oder Bote mitmachen. Jeder kann selbst bestimmen was und in welchem Radius er liefern möchte. Es werden keine Konzernregeln aufgedrückt. Es werden keine Umsatz- oder Zeitvorgaben gemacht. Jeder „blitzbringer“ entscheidet selbst.

In Gesprächen mit anderen Lieferservices wird uns immer wieder gesagt, dass nicht jedes Produkt von „Privatleuten“ geliefert werden kann. Auch diese Meinung können wir verstehen. Es gibt jedoch auch keinen Beleg dafür, dass die Aussage richtig sei. Schauen wir uns die Beispiele von airbnb, etsy und uber an. Diese haben erfolgreich bewiesen, dass wir bereit sind, Leistungen von Privatleuten in Anspruch zu nehmen und sehrwohl auf die Qualität der Leistung vertrauen. Dazu bedarf es Qualitätsstandards. Dies bedeutet allerdings in keinster Weise, dass die Leistungserbringer – in unserem Falle die blitzbringer – dazu unter Druck gesetzt werden müssen. Der Schlüssel ist vielmehr, dass von Anfang an der richtige Mix von Vertrauen und Qualität aufgebaut werden muss, damit das System funktioniert.

Zugegebenermaßen zielen wir damit nicht auf den „Geiz ist geil“-Markt. Dass diese Einstellung immer auf Kosten von anderen gehen muss, haben wir in den letzten Monaten immer wieder vor Augen geführt bekommen. Wenn Produkte zu kaum mehr als den Materialkosten verkauft werden, dann muss in der Lieferkette etwas faul sein. Auch wenn wir es nicht sofort schaffen werden den Hebel umzulegen, so ist im Bereich des Bewusstseins für immer mehr Nachhaltigkeit und weniger Ausbeutung, ein Samen gesäht. Es wird noch dauern, bis mehr und mehr Menschen die Notwendigkeit der Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit für sich selbst und ihre Nächsten erkennen und auch danach handeln. Die Zeit hat uns gezeigt, dass Veränderungen nicht von heute auf morgen geschehen.

Unser Konzept akzeptiert nicht, dass unsere blitzbringer zu ausbeuterischen Bedingungen arbeiten. Arbeit muss Wertschätzung erfahren und das bedeutet, dass ein fairer Preis gezahlt werden muss, wenn unsere Liefer-Leistung in Anspruch genommen wird. Ein Viertel der Befragten (Regensburger Studie) gaben an, bereit zu sein, für eine taggleiche Lieferung einen Aufpreis zu zahlen. Wir werden sehen, wie viele Menschen bereit sind ihre persönlichen Lieferanten fair zu bezahlen und damit für nachhaltige Arbeitsbedingungen auf der „letzten Meile“ zu sorgen.

Unser Geschäftsmodel ist desruptiv. Es hat das Potenzial vorhandene Logistik-Konzepte auf den Kopf zu stellen. Kritiker werden sagen: „… oder für eine Bauchlandung“. Das stimmt! Aber wir werden sehen, wohin der Markt uns trägt.